drnach dr Fall

Drnach der Fall, drnach der Huet!“

Günther Schmidt

Auch dieses Sprichwort hat „z’ Ammedinge im Städtli“ das Licht der Welt erblickt. Dort lebte in alter Zeit ein ehrsames Schneiderlein, der hieß Häberle, der war zugleich wohlbestallter Mesner oder Sigrist, wie man’s in Emmendingen nannte. Neben andern Pflichten lag dem Sigrist auch die ob, bei sogenannten großen Fällen den Herrn Dekan und Kirchenrat, bei kleinen Fällen – und das war die überwiegende Mehrzahl – den jeweiligen Herrn Vikari als kirchliche Ordonnanz und Anstandsperson zu begleiten und zwar stets auf der linken Seite, auf der rechten liefen die kirchlichen Herren. Der Sigrist kam als Ordonnanz schon als Schneider stets proper und sauber daher, sein Hauptschmuck aber, mit dem er den Emmendingern imponierte, war ein Dutzend abgelegte Zylinderhüte, die er alle Neujahr, wenn der Dekan und Kirchenrat sich einen neuen beilegte, als besonderes Neujahrsgeschenk einheimste, an den schadhaften Stellen mit Hilfe von Tinte oder Stiefelglanzwichse ausbesserte und nach der Güte sich aufs Haupt setzte und feierlich zur Schau trug, je nachdem der Fall ein großer oder kleiner war. So kam es, daß, wer in Emmendingen sich in der Güte der zwölf Zylinder des Sigrists etwas auskannte, sofort wußte, was für ein besonderer Fall jeweils vorlag und das Sprichwort von Mund zu Munde ging: „Drnach der Fall, dnach der Huet!“

* Pfarrer Johann Philipp Glock war 1874/75 Vikar in Emmendingen, später Pfarrer in Wolfenweiler